Wie im Stadtblick vom März dieses Jahres berichtet, hatte die Altdorfer SPD im Dezember eine „Wunschzettelaktion“ zum Thema Verkehrswende durchgeführt. Ein sehr häufig geäußerter Wunsch bei den Antworten war die Ausweitung von Tempo-30-Zonen allgemein, aber auch ganz konkrete Vorschläge, wo speziell gewünscht wird, die Durchfahrtsgeschwindigkeit zu verringern. Dies betraf auch den Ortsteil Grünsberg. Die SPD-Stadtratsfraktion hat sich die Wünsche auf den Antwortkarten von den Bürgerinnen und Bürgern genau angesehen und wird in den kommenden Wochen und Monaten daraus konkrete Maßnahmen, Aktionen und Anträge ableiten.

Wir stellten deshalb in der Stadtratssitzung Ende März einen entsprechenden Antrag auf Reduzierung der Durchgangsgeschwindigkeit im Ortsteil Grünsberg auf 30 km/h. Die Diskussion dieses Tagesordnungspunktes zeigte, dass dies von allen Fraktionen im Stadtrat unterstützt wird. Haken bei der Sache: Die Ortsdurchfahrt Grünsberg ist eine Kreisstraße, „Straßenbaulastträger“ ist also der Landkreis. Wir konnten im Stadtrat demnach nur beschließen, dass die Verwaltung mit dem Landratsamt diesbezüglich Gespräche aufnimmt. Und zwar zum wiederholten Male, denn dies wurde nicht zum ersten Mal angedacht, bisher vom Landkreis aber abgelehnt. Dort fordert man als Begründung die Darstellung einer Gefahrenlage aufgrund der besonderen örtlichen Verhältnisse.

Dazu ist zu sagen, dass sich im Verlauf der Ortsdurchfahrt Bushaltestellen befinden, auch für Schulbusse. Die Sicherheit der Fahrgäste beim Ein- und Aussteigen und der Fahrbahnquerung ist hier auf jeden Fall zu berücksichtigen. Außerdem sind mit der Burg Grünsberg und der Sophienquelle touristische Attraktionen (und alte Bausubstanz!) vorhanden, die viele Besucher anziehen und damit viel Fußgängerverkehr gerade am Ortsausgang mit sich bringen.

Der SPD-Antrag wird explizit auch vom Altdorfer Behindertenbeauftragten Ullrich Reuter unterstützt. Er fordert, dass in Zukunft viel mehr als bisher bei allen Maßnahmen die Bedürfnisse von Menschen mit eingeschränkter Mobilität mitgedacht werden müssen. Für ältere Menschen, für Menschen mit Behinderung, aber auch für junge Familien würde eine solche Verkehrsberuhigungsmaßnahme die Sicherheit erhöhen. Wir finden, diese Sichtweise muss in die Entscheidung des „Straßenbaulastträgers“ unbedingt mit einfließen.

„Menschenskind, das ist doch auch nicht mehr zeitgemäß: Ein dickes Auto fährt mit 50 km/h durch die Innenstadt!“, so lautete jüngst der entnervte Kommentar eines offenbar leidgeprüften Anwohners der Bahnhofstraße. Sehr zugespitzt, freilich – aber bringt es das Thema nicht doch ganz gut auf den Punkt? Eine fortgeführte Ausrichtung der Verkehrspolitik auf möglichst reibungslosen Autoverkehr ist unserer Meinung nach weder für Innenstädte noch für Außenorte mehr zeitgemäß. Wir wollen das Thema „Tempo 30“ weiterverfolgen und weitere Stadtgebiete und Ortsteile in den Blick nehmen, wo die Stärkung der Fußgänger*innen, Radfahrenden, Kindern oder mobilitätseingeschränkten Bürgerinnen und Bürgern geboten ist.